Pnyx im Athen-Lexikon

Der Pnyx ist ein Hügel westlich der Akropolis und der Name bezeichnet gleichzeitig den auf ihm stehenden Bau. Er lag innerhalb der Stadtmauer des antiken Athens. Nach den Reformen des Kleisthenes war er von 508 – 330 v. Chr. der Ort der Ekklesia, der demokratischen Volksversammlung des antiken Griechenlands. Die Versammlungen fanden vorher auf der Agora und nach 330 v. Chr. im Dionysostheater statt. Die heute bekannteste Funktion dieser Versammlungen war das Scherbengericht, bei dem Tonscherben als Stimmzettel verwendet wurde. Meist ging es darum, unerwünschte Personen des öffentlichen Lebens aus ihren Ämtern oder ganz aus der Stadt zu entfernen. In der Anfangszeit wurde der Hügel als Sitzplatz genutzt und nur am unteren Ende war eine Stützmauer, auf der sich auch die Rednertribüne befand. In dieser Form gab es aber nur für etwa 6000 Menschen, etwa 20 % der Stimmberechtigten, Platz. Um 400 v. Chr. wurde die Rednertribüne nach oben auf den Hang verlegt und das Versammlungshaus erbaut. Dazu musste am unteren Ende eine starke Mauer errichtet werden, die die Erdmassen halten sollte, die zur Einebnung des Hangs aufgeschüttet wurden. Danach gab es für etwa 20.000 Menschen Platz an dem Versammlungsort. In einer dritten Bauphase wurde ab 340 v. Chr. das Versammlungshaus massiv erweitert und mit dem Bau von zwei Säulenhallen begonnen, die als Schutz vor schlechtem Wetter dienen sollten. Mit der Verlegung der Versammlungen in das Dionysostheater wurden die Bauarbeiten 330 v. Chr. eingestellt. Heute sind von der riesigen Anlage nur Mauerreste und das Bema, die Rednertribüne, erhalten geblieben. Neben der Bema sind auch noch die Fundamente erhalten, die die Sonnenuhr des Meton trug. Er entwickelte Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. einen Kalender mit einem 19jährigen Zyklus, der auf großen Steintafeln dargestellt und auf der Pnyx ausgestellt wurde. Die Jahreslänge hatte er dabei nur eine halbe Stunde zu lang angesetzt – eine bemerkenswerte wissenschaftliche Leistung.


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