Kap Sounion im Athen-Lexikon

Ein wunderschöner Ausflug führt von Athen zum Kap Sounion. Wenn man Athen entlang der Küste verlässt, führt der Weg zuerst an vielen neuen Ortschaften vorbei. Athener haben dort ihre Sommer- und Wochenendhäuser an Buchten und Stränden errichtet und kleine Yachthäfen angelegt. Je weiter man sich aber dem südlichsten Punkt der Halbinsel Attika nähert, desto einsamer wird die mit Pinien, Ölbäumen und Zypressen bewachsene Landschaft. Romantiker sollten die von Touristenströmen überfüllte Straße verlassen, um bei einem Spaziergang den ganzen Zauber Attikas zu erleben. Schon von Weitem sieht man die Ruinen des Poseidon-Tempels auf dem Kap, das den Seefahrern der Antike als Landmarke diente und von strategischer Bedeutung für die Überwachung der Wasserstraßen nach Athen und zu den Kykladen war. Der Ort für einen Tempel des Meeresgottes konnte kaum besser gewählt werden – er war das letzte, das Seeleute beim Verlassen der Heimat sahen und das Erste bei ihrer Rückkehr. Quasi als Kontrapunkt setzten die antiken Baumeister etwa 500 Meter nördlich auf einen niedrigeren Hügel einen Tempel der Athene, der Beschützerin des Landes. Von dem im 5. Jahrhundert v. Chr. errichteten Tempel stehen nur noch 12 Säulen. Die bei den Ausgrabungen gefundenen Weihegeschenke an Poseidon für eine glückliche Rückkehr sind im Archäologischen Nationalmuseum in Athen zu sehen. Außer der herrlichen Landschaft und der Aussicht sind die Hauptattraktionen heute die Sonnenuntergänge und die Inschrift, die Lord Byron an einer der Säulen hinterließ. Von mythologischer Bedeutung ist das Kap als der Ort, an dem das Ägäische Meer seinen Namen erhalten hat. Als Theseus mit den Jungfrauen und Jünglingen Athens als Opfer für den Minotaurus nach Kreta segelte, verabredete er mit seinem Vater, König Ägeus von Athen, dass das Schiff bei seiner Rückkehr schwarze Segel als Zeichen für seinen Tod und weiße Segel als Zeichen des Sieges tragen sollte. Im Überschwang des Sieges über den Minotaurus vergaß Theseus, die Segel zu tauschen und Ägeus stürzte sich beim Anblick der schwarzen Segel vom Kap aus in das Meer, das seitdem seinen Namen trägt.


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