Bischofskirche im Athen-Lexikon

Große Mitropolis
Unter dem katholischen König Otto I. wurden die Rechte der orthodoxen Kirche stark eingeschränkt und deren Patriarchen waren entsprechend verärgert. Auch die Zerstörung des byzantinischen Erbes und der Abriss von Kirchen sorgten für eine zunehmend angespannte Lage. Unter der frommen griechischen Bevölkerung hatte die Kirche jedoch einen großen Einfluss, so dass eine versöhnliche Geste zur politischen Notwendigkeit wurde. Diese Geste sollte der Neubau einer Bischofskirche in Athen sein. 1842 erfolgte die Grundsteinlegung und 1862 wurde die Kirche fertiggestellt. Da sie von vier Architekten mit unterschiedlichen Vorstellungen aus den Resten von 70 zerstörten und abgerissenen Kirchen erbaut wurde, entstand eine Stilmixtur, die der Bischofskirche den Titel der hässlichsten Kirche Athens einbrachte. Im Inneren wurden aber Fresken, Mosaiken, Bögen und andere historische Teile aus abgerissenen Kirchen zur Verzierung verwendet, so dass die Mitropolis dennoch einen Besuch wert ist. Trotz ihrer Geschichte ist die Kathedrale das Zentrum der griechischen Kirche, in der kirchliche Feierlichkeiten wie die große Kerzenprozession an Karfreitag beginnen. Auch die Könige wurden hier gekrönt und noch heute legen die Staatsoberhäupter in der Kathedrale ihren Amtseid ab.

Kleine Mitropolis
Neben der großen Mitropolis liegt ihre sehr viel reizvollere kleine Schwester. Sie wurde im 12. oder 13. Jahrhundert über einer älteren Kirche errichtet, die wiederum auf den Fundamenten einer antiken Kultstätte entstanden war. Auch die kleine Mitropolis entstand aus Abrissmaterial noch älterer Kirchen und antiker Stätten. In echtem byzantinischem Stil erbaut, enthält sie im Inneren einzelne antike Elemente aus den verwendeten Baustoffen. Die Kuppel und die Apsis enthalten noch Malereien aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Die äußere Fassade ist bewusst mit einer Mischung aus antiken und byzantinischen Resten interessant gestaltet. Bis zum Unabhängigkeitskrieg Anfang des 19. Jahrhunderts war die kleine Mitropolis die Amtskirche des Metropoliten und wurde danach bis 1868 als Bibliothek verwendet. Heute ist sie wieder eine Kirche, die Funktion als Bischofskirche hat aber ihre große Schwester übernommen.


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