Akropolis im Athen-Lexikon

Die bekannteste Sehenswürdigkeit Athens ist die über der Stadt thronende Akropolis. Auf dem Burgberg wurde um 1300 v. Chr. die erste Stadt gegründet und ein mykenischer Königspalast erbaut. Schon bald wurde die freie Fläche eingeebnet und mit einer Mauer umgeben, um als Schutzburg der Stadt zu dienen. Im demokratisierten Athen verlor die Burg ihre Verteidigungsfunktion und wurde zum religiösen Zentrum ausgebaut. Anfangs lebten hier auch die Könige von Attika. Auf der Akropolis standen auch die ältesten Tempel der Stadt, die dem Göttervater Zeus und der Pallas Athene geweiht waren, die als die besonderen Beschützer der Stadt galten. Nach dem Sieg über die Perser wurde Athen ab 448 v. Chr. zum wichtigsten Stadtstaat des attischen Seebunds. Diese Macht sollte auch nach außen hin demonstriert werden, indem man die Akropolis unter Perikles völlig neu gestaltete. Außerdem hatte die Stadt nach den persischen Zerstörungen keinen Athenetempel und keine Toranlage mehr. So entstand das Parthenon als neuer Tempel der Athene, das Erechtheion, der Artemistempel und die Propyläen als Eingangsanlage. Der kleine Tempel der Nike wurde etwas später errichtet und erst 410 v. Chr. fertiggestellt. Der um 500 v. Chr. erbaute Zeustempel war weitgehend erhalten geblieben und wurde in die Anlage integriert. Unter römischer Herrschaft kamen weitere Gebäude wie der Rundtempel des Augustus und der Dea Roma neben dem Parthenon dazu. Die Byzantiner verwendeten die Akropolis wieder als Festung und als Sitz des Gouverneurs. Das Parthenon wurde zur Kirche umgebaut und als Bischofskirche geweiht. Auch das Erechtheion wurde als Kirche verwendet. Nach der Eroberung durch die Kreuzritter im 13. Jahrhundert wurde diese Verwendung beibehalten. Die Propyläen waren der Palast der Herzöge und das Parthenon die nun katholische Bischofskirche. Auch die Osmanen wussten die antiken Bauten zu schätzen. Das Parthenon erhielt ein Minarett und wurde zur Moschee, in den Propyläen saß der Stadtkommandant und das Erechtheion wurde zum Harem umfunktioniert. Beim Angriff der Venezianer wurden auf der Akropolis große Mengen Munition und Pulver gelagert, die bei einem Beschuss explodierten. Vor allem das Parthenon wurde dabei schwer beschädigt. Erhebliche Beschädigungen hinterließ 1807 auch der britische Botschafter Lord Elgin, der unter anderem beträchtliche Teile der Dekoration von Parthenon und Niketempel abbauen ließ, Skulpturen entfernte und alles zusammen mit weiteren Teilen nach London brachte. Sie sind heute im Britischen Museum in London zu sehen und noch immer wird über die Rückgabe gestritten. Nach der Unabhängigkeit Griechenlands wurden ab 1832 alle Umbauten aus dem Mittelalter und der osmanischen Zeit entfernt und mit Restaurierungsarbeiten begonnen. Seit 1986 finden auf der gesamten Akropolis Restaurierungsarbeiten statt, um das durch die Vibrationen und Abgase des Verkehrs stark gefährdete Weltkulturerbe zu retten.

Akropolis – bedeutende Gebäude



Erechtheion
Am südwestlichen Ende der Akropolis steht das Erechtheion auf dem Platz, wo der Palast des mythischen Königs Erechtheus I. gestanden haben soll. Der ionische Tempel entstand Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. und dient als Verehrungsstätte für mehrere alte Kulte. Hier stand das vom Himmel gefallene Kultbild der Athene, das als Beschützerin der Stadt bei den Panathenäischen Spielen jährlich neu geschmückt wurde. Auch andere Zeichen, die mit der Verehrung der Stadtgöttin zusammenhängen, sind in dem Bauwerk enthalten: Der Ölbaum der Göttin und die Salzquelle des Poseidon aus dem Wettbewerb um das Patronat der Stadt, die Erdspalte, in der ihre heilige Schlange gelebt hat und der Abdruck von Poseidons Dreizack. Außerdem enthält der Tempel das Grab des sagenhaften Gründerkönigs Kekrops I.. Eine architektonische Besonderheit ist die Vorhalle, die nicht von klassischen Säulen getragen wird, sondern von sechs Mädchenfiguren. Vielleicht veranlassten diese Koren die türkischen Besatzer dazu, das Erechtheion als Harem zu verwenden.

Propyläen
Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. wurde die mykenische Festungsmauer mit einer 14 Meter breiten Toranlage versehen, die eine Vorhalle und fünf Durchgänge zwischen vier Säulenreihen umfasste. Diese erste Anlage wurde 480 v. Chr. von den Persern zerstört. Ab 437 v. Chr. begann der Bau von Torhaus und zwei Seitenflügeln. Hinter den Säulen des Torhauses lag ein 18 x 13 Meter großer Raum mit Säulen und einer Kassettendecke, deren blaue Bemalung mit goldenen Sternen zu dieser Zeit einzigartig war. An Ende des Raumes war eine Türwand, an der der Zugang zur Akropolis kontrolliert wurde. Aus den dahinter liegenden Vorhallen kam man direkt zum Erechtheion und zum Parthenon. Der 12 x 16 Meter nördliche Flügel diente als Pinakothek und vermutlich auch als Speisesaal bei besonderen Feierlichkeiten. Der südliche Flügel wurde nie fertiggestellt und ermöglichte nur den Durchgang zum Niketempel.



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