Agora im Athen-Lexikon

Die ersten menschenlichen Spuren auf der Agora (griechisch für Marktplatz) sind Keramiken aus der Jungsteinzeit um 3000 v. Chr.. Reste einer Siedlung wurden aber nicht gefunden, vermutlich diente sie nur als Versammlungsort für die Bewohner der Akropolis. Ab der Bronzezeit um 1600 v. Chr. wurde das Gelände bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. als Friedhof genutzt. Die vielen Brunnen aus dieser Zeit lassen darauf schließen, dass hier auch eine Siedlung lag, Häuser wurden bei Ausgrabungen aber keine gefunden. Um 600 v. Chr. begann der Ausbau zu einem öffentlichen Platz und ab 500 v. Chr. wurde er als Agora genutzt. Formal wurde dies durch die Grenzsteine – die Horoi – festgelegt, die unauthorisierte Bauten auf dem Platz unterbanden. In der griechischen Antike war die Agora nicht nur der Marktplatz, sondern auch der Versammlungsort der freien Bürger. Unerwünschte Personen wie Kriegsdienstverweigerer und Verbrecher hatten keinen Zutritt. Hier wurde Gericht gehalten, über den Einsatz des Heeres abgestimmt und Gesetze erlassen – immer unter der Mitbestimmung der freien Bürger. So ist die Agora das Symbol für die Anfänge der Demokratie. Nach den Zerstörungen durch die Perser 480 v. Chr. entstanden viele neue Gebäude, aber erst im 2. Jahrhundert v. Chr. war der Platz vollständig umbaut. Nur 100 Jahre später legten die Römer etwas östlich einen neuen Marktplatz an, der als Forum viele Funktionen der Agora übernahm. Zur Bedeutungslosigkeit verurteilt, wurde der freie Platz zugebaut. Unter Kaiser Hadrian fand 117 – 138 noch einmal eine rege Bautätigkeit statt, aber die Heruler zerstörten 267 die meisten Gebäude der Agora. Im 4. Jahrhundert wurde der Platz dann endgültig aufgegeben.

Griechische Agora - Gebäude

Der bedeutendste Sakralbau der Agora ist das ausgezeichnet erhaltene Hephaisteion. Nur noch Ruinen sind der Altar der zwölf olympischen Götter, ein kleiner Apollontempel und der Arestempel. Letzterer hat eine interessante Geschichte hinter sich. An einem nicht bekannten Ort erbaut, wurde er unter Kaiser Augustus Stein für Stein abgetragen und auf der Agora wieder aufgebaut. Vor allem sind auf der Agora aber die Reste vieler Gebäude mit wichtigen staatlichen und gesellschaftlichen Funktionen zu sehen. Außer der Stoa Basileios sind noch weitere Säulenhallen von großer Bedeutung. Die „bemalte Säulenhalle“ Stoa Poikile erhielt ihren Namen von den Holztafeln mit den Bildern berühmter Künstler, die dort ausgestellt wurden. Auch Zeichen athenischer Siege wie die Rüstungen und Schilde besiegter Gegner wurden dort aufbewahrt. Außerdem diente die große Säulenhalle als Treffpunkt von Bürgern und Philosophen wie dem Stoiker Zenon und als Ort öffentlicher Veranstaltungen und Gerichtsprozesse. Die Stoa des Zeus Eleutherios (Zeus der Befreier) war mit den Schilden von Athenern geschmückt, die im Kampf gegen die Perser gefallen waren. Sie soll der Treffpunkt von Sokrates und seinen Anhängern gewesen sein. Die erste der beiden Süd-Stoas liegt neben der Münzprägeanstalt und war vermutlich das Handels- und Bankenzentrum. Die gefundenen Münzen, Maße und Gewichte sind im Agoramuseum ausgestellt. Die riesige zweite Süd-Stoa (147 x 17,5 Meter) diente vermutlich als Marktplatz, während die Ladengeschäfte wohl in der fast genauso großen Attalos-Stoa (115 x 20 Meter) lagen. Die Stoa des Attalos wurde 267 von den Herulern zerstört und 1952 – 1956 rekonstruiert. Sie wird als Agoramuseum verwendet, wo die Fundstücke der Ausgrabungen ausgestellt sind. Vor allem an der Westseite der Agora liegen verschiedene Verwaltungsgebäude wie der Amtssitz des Rats, der Sitz des Exekutivkomitees und das Staatsarchiv. An der Südseite liegen zwei Brunnenhäuser, die über einen Aquädukt mit Wasser versorgt wurden und beliebte Treffpunkte der Bevölkerung waren. In römischer Zeit entstand unter anderem das Odeon des Agrippa und die Basilika als Verwaltungszentrum der Besatzungsmacht.

Römische Agora

Die römische Agora bzw. das römische Forum war die zweite Agora auf dem Stadtgebiet Athens. Die erste – griechische – Agora entstand im 6. Jahrhundert v. Chr. und war der Markt- und Versammlungsort der Stadt. Unter römischer Herrschaft wurde ein römisches Stadtviertel neu erbaut und erhielt ein Forum, das fast die gleiche Funktion wie die griechische Agora besaß. Unter Kaiser Augustus wurde von 9 – 11 v. Chr. der 111 x 98 Meter große Platz angelegt und 140 Jahre später durch Kaiser Hadrian erweitert. Der Platz war von Säulengängen umgeben, in denen Geschäfte untergebracht waren. Der westliche Eingang war ein dorisches Säulentor, das der Athene Archegetes – der Göttin in ihrer Funktion als Gründerin der Stadt – gewidmet war. Der östliche Eingang war ein ionisches Säulentor. Unter den Byzantinern und den Türken wurde der Platz überbaut. Mit dem Abriss der Häuser im 19. und 20. Jahrhundert wurden die Ruinen nach und nach ausgegraben. Beträchtliche Teile der Säulenanlagen sind heute wieder zu besichtigen. Die größte Attraktion ist aber der Turm der Winde, der auch als Horologium des Andronikos bezeichnet wird. Seinen ersten Namen erhielt der fantastisch erhaltene achteckige Turm von den Reliefs, die sich an jeder Seite befinden und die acht Windgötter darstellen. Sein zweiter Namen bezog sich auf die Uhren, die sein Erbauer Andronikos von Kyrrhos 100 v. Chr. in den Turm integrierte. An den Außenwänden kann man noch heute die neun Sonnenuhren des geschickten Konstrukteurs erkennen. Innerhalb des Turms befand sich eine Wasseruhr, mit der die offizielle Zeit für die Athener gemessen wurde.


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